Schola Cantorum Leipzig | Unsere Philosophie

Ins Leben tasten - mit Musik geht's besser: Musik ist ein exzellentes Training für's Denken, weil beide Gehirnhälften arbeiten müssen. Wie überhaupt festzustehen scheint, dass frühzeitiger Musikunterricht Intelligenz fördert, Kreativität, Gemeinschaftsgefühl, Persönlichkeitsentfaltung, Selbstbewusstsein.² Vor allem klassische Musik entspannt und kann bereits Ungeborene im Mutterleib beruhigen. Selbst singen, hält gesünder.º

Schola Cantorum Leipzig | Kinder- und Jugendchor der Stadt LeipzigUnter dem Dach der Schola Cantorum vereinen sich die Kinder- und Jugendchöre der Stadt Leipzig, mit über 300 Mitgliedern eine der größten Chorformationen Mitteldeutschlands. Wir bieten Kindern ab zwei Jahren, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem gesamten Stadtgebiet eine musikalische Heimat in den verschiedenen musikalischen Gruppen. Kinder und Jugendliche auf ihrem persönlichen Entwicklungsstand abzuholen, auf dem Weg ins Erwachsenenleben über bestenfalls viele Jahre musikalisch zu begleiten und trotz der großen Zahl unserer Chormitglieder möglichst individuell zu fördern, ist uns Ansatz und Herausforderung zugleich. Unsere hochqualifizierten Pädagoginnen und Pädagogen unterrichten mit viel Idealismus und arbeiten dabei oft weit über vertraglich vereinbarte Stunden hinaus.

 

"Wenn alle von der frühesten Kindergartenzeit bis mindestens zum Ende der Grundschulzeit täglich eine halbe oder eine Stunde spielerisch zum Singen angeleitet würden, dann hätten wir in Deutschland die PISA-Problematik nicht", sagt Karl Adamek, Psychologe, Liedtherapeut und Autor einer Untersuchung zur Heilkraft des Singens.¹

Schola Cantorum Leipzig | Kinder- und Jugendchor der Stadt LeipzigDie Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter der Schola Cantorum Leipzig unterstützen, begleiten und fördern die Entwicklung der Kinder professionell und verantwortungsvoll sowie mit den verschiedensten Angeboten. Die Musikalische Früherziehung setzt auf alle Sinne: Hören, tasten, fühlen, singen, tanzen, gestalten... Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt. In unseren Vorschulchören lernen die Kinder spielerisch den gesunden Einsatz des Instrumentes, das sie im Körper tragen: Ihrer Stimme. Sie erweitern ihren Tonumfang und werden behutsam auf Die Mitgliedschaft in den Spatzenchören und im späteren Kinderchor vorbereitet. Kreativer Unterricht in "Bewegung und Tanz", erste Musiktheorie und Stimmbildung sowie regelmäßige Aufführung von Kinderopern und -musicals und damit auch Schulung von Bühnenpräsenz und Einbeziehung schauspielerischer Elemente erweitern das Spektrum. Daneben haben wir in den vergangenen Jahren ein umfangreiches Netzwerk zu lokalen Partnern (z.B. Mendelssohn-Haus, Bachmuseum, Grassimuseum, Leipzig Pianos, Theater der Jungen Welt, Museum der bildenden Künste u.v.a.m.) aufgebaut, die unsere Arbeit in den unterschiedlichsten Formen unterstützen. Auf diese Vielfalt in der musikalischen Ausbildung der Kinder und Jugendlichen sind wir sehr stolz!

 

Musizieren verändert das Gehirn: Durch das Spiel auf der Geige etwa entstehen schon nach 20 Minuten neue Nervenverbindungen, die schrittweise ein feines Netzwerk im Gehirn bilden. Die Folge ist, dass die Regionen für Gehör und Fingerfertigkeit wachsen. Musikwahrnehmung und aktives Musizieren auf hohem Niveau gehören zu den anspruchsvollsten menschlichen Tätigkeiten. Das Nervensystem geht hier an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit.³

Schola Cantorum Leipzig | Kinder- und Jugendchor der Stadt LeipzigWer neben der Ausbildung in einem der Chöre ein Instrument erlernen möchte, kann das über unseren Kooperationspartner, die Bachakademie Leipzig, tun. Instrumentalunterricht leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der geistigen und emotionalen Erlebnisfähigkeit, trainiert und verbindet beide Gehirnhälften, fördert Intellekt und Feinmotorik. Mit anderen Musik zu machen schafft Verbundenheit.
 

 

Wer singt, gibt etwas von sich preis. Vor allem Kinder spüren das genau. Sie wachsen in einer Gesellschaft auf, die eher auf Kontrolle als auf Überschwang wert legt, und sie registrieren früh, dass man beim Singen Gefühle und eine Empfindsamkeit zeigt, die im Alltag gewöhnlich unter dem Deckel bleiben.¹

Schola Cantorum Leipzig | Kinder- und Jugendchor der Stadt LeipzigOb auf Weihnachtsmärkten, im Kaufhausfahrstuhl oder im Radio: Musik wird heute meist passiv konsumiert. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen in den Familien noch regelmäßig gemeinsam musiziert wurde oder vor dem Zubettgehen das Gute-Nacht-Lied nicht fehlen durfte. Dabei geht vor allem Kindern und Jugendlichen eine der wichtigsten menschlichen und emotionalen Ausdrucksformen zunehmend verloren. Aktiv Musik zu machen, kann in den verschiedensten Lebenssituationen und Entwicklungsphasen helfen zu trösten, zu beruhigen, neue Kraft zu spenden oder Orientierung in einer scheinbar unüberschaubaren, globalisierten Welt zu finden. Diese Erfahrungen weiterzugeben, ist unseren Pädagoginnen und Pädagogen ein besonderes Anliegen.

Oft erleben wir, dass langjährige Chormitglieder wegen hoher schulischer Belastungen die Chormitgliedschaft schweren Herzens beenden müssen. Wir setzen uns entschieden dafür ein, dass neben der Schulausbildung und dem Erwerb vermeintlich ökonomisch verwertbarer Qualifikationen Zeit sein muss, um außerschulischen Interessen und Hobbies nachzugehen. Kreative, soziale und emotionale Freiräume sind unverzichtbar für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, denn sie können über den Leistungsgedanken hinaus die für eine Gesellschaft wichtigen Werte wie Zusammenhalt, Solidarität, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit und viele andere mehr erfahrbar machen. 

 

In den Medien hört und sieht man Sänger fast nur als Solisten, die ihren Erfolg vor allem aufwendiger Technik und einer ausgefeilten Bühnenshow verdanken. Menschen, die regelmäßig die Lust packt, ihrer Stimme freien Lauf zu lassen, schließen sich meist früher oder später einem Chor an.¹

Schola Cantorum Leipzig | Kinder- und Jugendchor der Stadt LeipzigTechnischer Fortschritt schreitet so schnell voran wie nie zuvor, unaufhaltbar und nicht umkehrbar. Aber eben auch mit unbestreitbaren gesellschaftlichen Folgen: Noch vor 20 Jahren kaum vorstellbar, sind heute bereits in der Grundschulzeit viele Kinder mit allen möglichen technischen Geräten ausgestattet. Jugendliche verbringen ihre Freizeit mehr und mehr in sozialen Netzwerken statt in Gemeinschaft mit anderen. Verbindlichkeit wird zum Fremdwort angesichts der vielen sich bietenden Optionen: "teilnehmen", "absagen" oder nur "interessiert"...? Sind wir damit auf dem Weg in eine individualisierte Ellenbogengesellschaft, in der sich jeder selbst der nächste ist, getreu dem Motto: Gut ist, was mir nützt? Medien vermitteln zudem oft den Eindruck, dass Erfolge bestenfalls kurzfristig und mit wenig eigenem Aufwand zu erreichen seien, aber nur mit einem hohen Maß an Spezialeffekten etwas wert sind, oft oberflächlich und inhaltslos.

Im Chor zu singen, bedeutet, sich auf tiefe, zwischenmenschliche Beziehungen einzulassen: Sensibel und aufmerksam auf andere zu hören, das eigene Ich zurückzunehmen, sich auf andere einzulassen. Das kostet Zeit und ist mitunter auch einmal mühsam, denn Erfolge werden oft erst am Ende von Arbeitsphasen sicht- und hörbar. Kontinuität und Geduld sind uns dabei in Zeiten von zunehmender Schnuppermentalität, Unverbindlichkeit und Förderwahnsinn wichtige Annliegen: Es ist selten ein Meister vom Himmel gefallen - Musik ist ein lebenslanger aber lohnenswerter Lernprozess.

Das gemeinsame Singen mit anderen kann zudem dazu beitragen Gemeinschaft zu lernen, soziale Heimat sowie Freunde (für's Leben) zu finden sowie Identität zu stiften und wirkt so einer Ellenbogengelsellschaft entgegen. Gegenseitige Achtung, Toleranz und Respekt sind beim gemeinsamen Singen unverzichtbar und schließen jede Form von Rassismus und Fremdenhass aus. Darüber hinaus übernehmen wir mit unseren Sängerinnen und Sängern gesellschaftliche Verantwortung und veranstalten regelmäßig Benefizkonzerte zugunsten wichtiger lokaler Projekte in Leipzig sowie internationaler Initiativen (z.B. Leipziger Flüchtlingsrat, Diakonisches Werk Leipzig, Wiederaufbau der Tellschützer Kirche, Bärenherz Leipzig, neue Nikolaiorgel Potsdam, NEPALMED, Mission Lifeline oder UNICEF).

 

Singen Sie! Das erstbeste Lied, das Ihnen in den Sinn kommt. Deutsch, Englisch, Schlager, Volkslied, Hiphop oder Kirchenchoral - es ist gleichgültig, was Sie anstimmen. Notfalls improvisieren Sie auf lalala. Und falls Sie Ihre Stimme nicht zu zaghaft einsetzen oder gleich nach der zweiten Zeile verstummen, dann werden Sie merken, dass etwas mit Ihnen passiert. Lieder können machtvolle Waffen sein, mit denen man Feinde lähmen, Geister rufen oder vertreiben, Regen machen, ganze Welten neu erschaffen kann.¹

Schola Cantorum Leipzig | Kinder- und Jugendchor der Stadt LeipzigIn den Kinder- und Jugendchören der Stadt Leipzig wird das klassische Volkslied genauso gepflegt wie die Musik des Barock, der Klassik oder der Romantik. Die Weitergabe von seit Jahrhunderten gesungenen Kinder- und Weihnachtsliedern ist deshalb in den Kinderchören ein Hauptanliegen. In Mädchenchor, Frauenchor und Kammerchor liegt neben Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts der Schwerpunkt auf der Literatur von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Johannes Brahms - Komponisten also, die unsere Kultur entscheidend geprägt haben und es nach wie vor tun. Individuellen Zugang zur unglaublichen inhaltlichen Tiefe klassischer Musik, das Schaffen von Querverbindungen von Musik zu Literatur, Kunst, Architektur oder Geschichte und damit die Erweiterung des Bewusstseins für kulturelles Erbe, ist uns dabei wichtig. Zwischen 40 und 50 Konzerten jährlich bestreiten die verschiedenen Chöre der Schola Cantorum in Leipzig und zum Teil weit darüber hinaus: Geschichte wird an Orten wie dem Magdeburger Dom oder der Stadtkirche Wittenberg erfahr- und erlebbar.

 

Der ehemalige Innenminister Otto Schily hat sich zu dem Satz hinreißen lassen: "Wer Musikschulen schließt, gefährdet die Innere Sicherheit."²

Schola Cantorum Leipzig | Kinder- und Jugendchor der Stadt LeipzigIn diesem Sinne widmen wir uns mit ganzer Kraft sowie mit großem personellen und finanziellen Aufwand der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen - nicht nur musikalisch. Oft begleiten wir unsere Chormitglieder  durch schwierige Phasen in der Schule oder Ausbildung, in manchmal orientierungslos scheinenden Zeiten der Pubertät und all den damit verbundenen Veränderungen sowie bei Konflikten im Elternhaus. Unsere Musikpädagoginnen und -pädagogen sind damit auch Sozialpädagogen, "Kummerkasten", Ansprechpartner und Scharnier zu Eltern und leisten dabei zugleich einen nicht zu unterschätzenden Anteil an Präventionsarbeit.

Die musikalische Ausbildung ist eine der teuersten überhaupt, da die individuelle Betreuung einen so hohen Stellenwert einnimmt: So erhalten bereits die Kinder der Spatzenchöre Stimmbildung in Kleingruppen, Mitglieder des Kinderchores, Mädchenchores, Frauenchores und Kammerchores werden einzeln betreut. Dies gewährleistet die hohe Qualität der Chorarbeit zum einen sowie die persönliche und individuelle Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zum anderen. Wir sind stolz auf dieses hohe Maß an individueller Betreuung.

Dass etwas, was wenig kostet, nichts wert ist, stimmt in unserem Fall nicht: So müsste ein Mitglied des Mädchenchores monatlich mindestens 50,00 € allein für Stimmbildungsunterricht bezahlen, würde die Stadt Leipzig als Träger der Chöre dies finanziell nicht unterstützen. Dafür sind wir sehr dankbar und gehen mit einem hohen Maß an Verantwortung mit dieser Unterstützung um.

Bei über 300 Mitgliedern in den verschiedenen Chorgruppen und angesichts der vielfältigen Projekte und Konzerte sind wir bei der Planung und Durchführung unbedingt auf die Unterstützung vieler engagierter Eltern angewiesen. Möglichkeit und Plattform dafür bietet unser Freundeskreis, in den wir alle Eltern, Großeltern und Freunde der Chöre herzlich einladen:

Wir freuen uns auch über Ihre Unterstützung!

 

º Jutta Beiner, www.welt.de, 26.06.2007
¹ Johanna Romberg, GEO-Magazin 03/2007
² R. Kastner, Hamburger Abendblatt, 10.05.2003
³ AP, Hamburger Abendblatt, 05.09.2007