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Musikgeschichte(n) aus der Quarantäne

  • Zusammenfassung

    Dieser Artikel beschäftigt sich mit möglichen Ursprüngen der Musik, wie wir sie heute kennen. Warum haben Menschen angefangen, Musik zu machen und welche Funktion hatte diese zu erfüllen? Und was haben deutsche Volks- und Kinderlieder mit den Gesängen der Ureinwohner Amerikas gemeinsam?

  • Wer hat's gemacht?

    Dieser Artikel wurde mit ♥ für Euch verfasst von Henriette. Henriette studierte Musikwissenschaften in Weimar sowie klassischen Gesang in Leipzig und ist als freischaffende Sängerin tätig. Während des C(h)orona-Shutdowns unterstützt sie die Schola Cantorum mit Beiträgen zur Musikgeschichte und beweist dabei: Wissenschaft ist alles andere als graue Theorie!

  • Lesedauer

    Lesedauer: 5 Minuten • Musikbeispiele: 6 Minuten

1. Kapitel: Der Ursprung der Musik

  • Akustische Eindrücke

    Setzen wir uns einmal am Anfang unserer Reise durch die Musikgeschichte in den Garten oder auf den Balkon. Was hören wir? Neben Umgebungsgeräuschen verschiedenster Art doch in diesen Tagen vor allem eins: Vögel, die unterschiedlich singen, schnattern, pfeifen, glucksen… und nach einer Weile hören wir vielleicht das melodisch von Mama gerufene “Kind… das Essen ist fertig”. Doch was hat das alles mit Musik zu tun? Ganz einfach: Genau diese akustischen Eindrücke bilden den Ursprung der Musik. Und so  liefert uns die Natur eine Menge höchst unterschiedlicher und virtuoser Melodien…

     

  • Früheste Zeugnisse

    Dass der Ursprung der Musik im Nachahmen von Tier- und insbesondere Vogelgeräuschen liegt, davon war zum Beispiel der berühmte Naturforscher Charles Darwin überzeugt. Andere Theorien besagen, dass sie aus dem lauten Sprechen (also dem Rufen), aus dem Nachahmen kindlichen Lallens oder auch aus emotionalen Lautäußerungen entstand. Da der Ursprung der Musik in einer Epoche liegt, aus der es keine schriftlichen Zeugnisse gibt, sind das leider nur Theorien, die nicht belegt werden können. Fest steht: Die Musik entwickelte sich über einen sehr langen Zeitraum hinweg (wir reden von Zehntausenden und Hunderttausenden von Jahren).

     

    Auch wenn die frühesten Zeugnisse des menschlichen Musizierens Bodenfunde (einfache Instrumente; Abbildung unten) und Höhlenmalereien sind, so ist doch unumstritten, dass die Entwicklung der Musik mit der Entwicklung der Sprache einhergeht und somit die Stimme das erste Instrument der Welt war (zusammen mit den Händen und den Füßen).

     

    Flauta paleolítica.jpg
    Nachbildung einer Flöte aus dem Geißenklösterle, 35.000 bis 40.000 Jahre alt; Foto: José-Manuel Benito Álvarez, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

  • Musik zur Kommunikation

    Doch warum haben die Menschen angefangen, Musik zu machen? Zur Unterhaltung diente sie nicht, davon kann man ausgehen. Nein, sie hatte vielmehr konkrete Aufgaben zu erfüllen. So bescheinigte man ihr zum Beispiel Zauberkräfte, weshalb sie oft wichtiger Teil kultischer Handlungen war. Auch als Signal während der Jagd oder generell als Medium zur Nachrichtenübermittlung konnte sie dienen: Denn Instrumente und Stimmen, die eine bestimmte Technik haben, können sehr laut sein und somit mehrere hundert Meter weit gehört werden.

     

     

    So oder so ähnlich kann man sich die ersten Darbietungen von Musik vorstellen. Doch Moment: Das ist doch eine Aufnahme aus der heutigen Zeit…? Richtig! Und so kommen wir zu einem sehr wichtigen Punkt. Auch heute noch gibt es sogenannte “Naturvölker”, die ein Leben führen, das dem unserer Urahnen recht ähnlich sein dürfte. Insofern kann die Erforschung der Musik jener Völker auch (vorsichtige) Hinweise auf die Frühformen der Musik geben. Aus dieser Idee hat sich ein ganzer Wissenschaftszweig entwickelt, und zwar die “Musikethnologie”. Sie untersucht die Musik der Naturvölker und versucht, musikalische Grundprinzipien zu ermitteln. Der Alltag der meisten Naturvölker ist vom Glauben an magische Kräfte dominiert und somit dient die Musik ihnen als Mittel der Kommunikation: Die Musik und die mit ihr eintretende Trance vermitteln das Gefühl, diesen Zauberkräften gewachsen zu sein. Musik ist damit auch immer an eine körperliche Bewegung gekoppelt und ein soziales Ereignis.

  • Grundprinzipien setzen sich durch

    Die Wissenschaft hat für die verschiedenen Völker verschiedene Tonsysteme ermittelt. So spielt vor allem die Dreiklangsmelodik in vielen Kulturen eine Rolle. Auch in Europa war sie weit verbreitet und spielte schon im Mittelalter eine große Rolle. Die folgende Melodie der Navajo-“Indianer” besteht hauptsächlich aus Dreiklangsbrechungen (Grundton, Terz, Quinte, Oktave) und ist damit ein gutes Beispiel für Dreiklangsmelodik bei Naturvölkern:

     

     

    Nicht nur in Gesängen der Ureinwohner Amerikas kommt diese Art der Melodiebildung vor. Hört Euch mal den Anfang dieses bekannten Kinderliedes genauer an:

     

     

    Wir sehen: Egal, welche Entwicklungsstufe eine Kultur erreicht hat und egal, wo sie herkommt: Es gibt gewisse musikalische Grundprinzipien, die sich scheinbar immer durchsetzen.

Literaturverzeichnis & Quellen

  • Seite “Prähistorische Musik”. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. Februar 2020, 09:18 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Prähistorische_Musik (Abgerufen: 4. April 2020, 12:55 UTC)
  • Seite “Drei-Brüder-Höhle”. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. September 2019, 01:55 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Brüder-Höhle (Abgerufen: 4. April 2020, 12:57 UTC)
  • Wörner, Karl Heinrich: Geschichte der Musik, Göttingen 1993, S. 1–6
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