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Paulus: Interview Mit Prof. Gunter Berger

Paulus: Interview mit Prof. Gunter Berger

Felix Mendelssohns Bartholdys „Paulus“ mit dem Leipziger Oratorienchor und der Schola Cantorum in der Nikolaikirche – ein Interview mit Gunter Berger (Foto: Nikolaj Lund)

In seinem diesjährigen „Passionskonzert“ führt der Leipziger Oratorienchor den „Paulus“ auf. Bei dem ersten der zwei vollendeten Werke dieses Genres von Mendelsohn handelt es sich nicht um ein Passionsthema. Was verbinden Sie mit der Aufführung des Werkes in dieser Zeit des Jahres?

Nun, die Passionszeit ist ja vorüber, wenn wir am 18. April 2015 in der Nikolaikirche dem Publikum das Ergebnis unserer Arbeit an diesem Werk vorstellen. Vielleicht sollte man die Programmgestaltung des Leipziger Oratorienchores auch nicht allzu eng an den Festkreis des Kirchenjahres gebunden sehen. Auf jeden Fall handelt sich auch bei „Paulus“ um einen großen immer währenden Stoff. Es geht um den Wandel eines Menschen, darum, welche Einflüsse ihn prägen oder zu einer Neuorientierung veranlassen. Oder darum, was geschieht, wenn er seine neue Bestimmung erkannt hat. Es lohnt immer, sich mit einem solchen Stoff zu beschäftigen, auch und gerade nach der Passionszeit.

Die Uraufführung des Werkes im Jahr 1836 fiel in eine Hochzeit der Oratorienkultur in Deutschland. Zahlreiche engagierte Laienchöre hatten sich gebildet, selbst derartige Werke in Auftrag gegeben und einstudiert. Zwischen 1823 und 1835 waren beispielsweise drei weitere Oratorien zur Paulusgeschichte nach biblische Texten entstanden, darunter solche, die mit weniger Anspruch und Aufwand aufzuführen waren. Trotzdem hatte der Paulus einen gewaltigen Erfolg – er wurde in den ersten 1 1/2 Jahren nach der Uraufführung monatlich durchschnittlich drei Mal dargeboten. Wie erklären Sie sich die Beliebtheit von Mendelssohns Oratorium?

Aus meiner Sicht ist es vor allem die musikalische Form, wie er für die Chorstimmen schreibt, die das Werk auszeichnet. Sie sind schlicht und dennoch liebevoll ausgezeichnet, fast lyrisch. So etwas konnte und kann man mit Laienchören so aufführen, dass sowohl bei den Sängern als auch bei den Zuhörern eine große Wirkung entsteht. Ich glaube, dass die Komponisten jener Zeit, die sich sehr wohl mit der damals hochstehenden Opernkultur auseinandersetzen mussten, sehr bewusst auf dramaturgische Elemente achteten, auch dann, wenn sie biblische Stoffe gestalteten. Das ist auch beim „Paulus“ zu hören – man beachte beispielsweise die Ausgestaltung der Volksszenen. Anders als im 1846 uraufgeführten Opus 70, dem „Elias“, den ich weit mehr mit opernhaften Mittel ausgezeichnet sehe als den „Paulus“. Mendelsohn hat sogar auf Szenen verzichtet, die der Paulusstoff für eine bewegende Gestaltung bereithält. Also, ich denke, es sind vor allem die Chorpartien und nicht zuletzt auch die Einführung eines Kinderchores, die das Werk so anziehend machen.

Die Entstehungsgeschichte des Werkes ist eng mit der Geschichte der Familie Mendelssohn verbunden. Die Leipziger Uraufführung bot den Rahmen für die erste Begegnung seiner Familie mit der seiner Braut. Besonders intensiv begleitete aber der Vater die Arbeit an der Komposition. Textlich interessierte diesen, den Konvertiten, naturgemäß der Wandel des Paulus. Musikalisch war ihm sehr daran gelegen, dass alte und neue Musik verbunden wurden: „die Aufgabe der Verbindung des alten Sinns mit neuen Mitteln“, wie Abraham Mendelsohn es formulierte. Worin sehen Sie die wichtigsten Mittel, derer sich Mendelssohn bei der Erfüllung des väterlichen Auftrags bediente?

Da ist natürlich der barocke Choral, dem Mendelssohn in seinem Oratorium einen wichtigen Platz einräumt und mit dem er seine „Schule“, wenn man so sagen darf, seine Tradition ausweist. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, dieser Choral liegt ja über dem ganzen Werk, ebenso wie die Fugentechnik, was uns zum Barock und zu Bach führt. „Aber unser Gott ist im Himmel“, diese gewaltige Fuge aus dem zweiten Teil, zeigt Mendelssohns meisterhafte Beherrschung des Motetten- oder Palestrinastils. Auch der Einsatz des Kinderchores weist zu Bach und zur Matthäus-Passion.
Für mich selbst ist dies das Berührendste an Mendelssohns Werk: die Kinderstimmen, die wie eine Erleuchtung von oben, wie ein Strahl vom Himmel zu uns herunterkommen. In der Nikolaikirche werden sie auch wirklich von oben, aus der Empore in den Chor hineinklingen.

Da hört man den Leiter des MDR-Kinderchores, Herr Berger. Fehlt Ihnen eigentlich die Arbeit mit Kindern?

Ich muss sagen, im ersten Jahr nach meinem Abschied vom MDR war da für mich wirklich etwas, ein Defizit, mit dem ich umzugehen lernen musste. Jetzt in Dresden habe ich bei den Philharmonischen Chören wieder mit Kindern und Jugendlichen zu tun und die Arbeit macht mir viel Freude. Ich freue mich aber auch, in diesem Projekt mit den jungen Sängerinnen der Schola Cantorum Leipzig und ihrem engagierten Leiter Marcus Friedrich zusammenarbeiten zu dürfen. Wir haben uns ja bei der Arbeit an der Matthäus-Passion mit dem Leipziger Oratorienchor kennengelernt und es ist schön, dass wir diese Zusammenarbeit fortsetzen können.

Doch zurück zu Mendelsohn und dem „Paulus“. Vielleicht schauen wir, was eigentlich das Neue an Mendelsohns Werk ausmacht?

Die Instrumentierung gehört natürlich nicht zu den Stilmitteln der alten Musik und war für diese Zeit etwas Neues, Modernes. Eine starke Besetzung mit Bläsern, auch Blechbläsern bracht völlig neue Klangfarben und Klangfülle, die schon damals beherrscht sein wollten und die auch heute beherrscht sein wollen. Wir haben also vergleichbare Probleme, wie wir sie bei der Aufführung des Requiems von Brahms in der Thomaskirche bewältigen mussten.

Die Leipziger Uraufführung erfolgte nach der Drucklegung des Werkes am 8. März 1837 in der Paulinerkirche, in der im Jahr zuvor auch Händels “Israel in Ägypten” mit Mendelssohn als Dirigent erstmals in Leipzig zu hören war. Es scheint als wäre Leipzig der Dreh- und Angelpunkt der Auseinandersetzung des Komponisten mit Glaubensfragen gewesen. Ist für Sie dieser besondere Bezug zur Aufführung des Werkes zu Leipzig bis heute gegeben? Oder anders: ist die Intensität der Auseinandersetzung Mendelssohns mit seinem Übertritt vom jüdischen zum christlichen Glauben spürbar?

Natürlich ist in diesem Werk spürbar, dass hier jemand um seinen Glauben ringt. Die Fuge „Aber unser Gott ist im Himmel“ zum Beispiel enthält als fünfte Stimme Luthers Glaubenslied „Wir glauben all an einen Gott“. Um noch einmal auf das Thema des Wandels zurück zu kommen: oft sind es ja diejenigen, die nicht in eine Konfession hineingeboren wurden, die sich im besonderen Maße mit dem neu gefundenen Glauben auseinandersetzen.
Leipzig ist ein Zentrum der protestantischen Musik ebenso wie ein Zentrum der jüdischen Kultur, ich glaube, das wusste auch Mendelssohn. Diese Musik ist daher ein „Muss“ für unsere Stadt und sollte regelmäßig aufgeführt werden.
Ich finde es gut, dass der Leipziger Oratorienchor sich den verschiedenen Akzenten der „Musikstadt Leipzig“ bewusst annimmt. Gerade sind wir dabei, unser Sommerkonzert mit jüdischer Musik vorzubereiten.

Der Oratorienchor wird sich mit der Aufführung des „Paulus“ erstmals in der Nikolaikirche präsentieren. Das ist eine große Herausforderung für die Sänger und wohl auch für Sie als Dirigenten. Gleichzeitig mit den Proben für den „Paulus“ arbeitet ein Teil der Sänger zudem an der Vorbereitung eines Konzerts in Halle, bei dem das „War-Requiem“ von Benjamin Britten dargeboten wird. Das klingt nach einer anstrengenden Arbeitsphase für den Chor…

Tatsächlich haben die Sängerinnen und Sänger eine anspruchsvolle Aufgabe vor sich. Bei einer Aufführungsdauer von 2 Stunden ist allein schon technische Kondition vonnöten, um die Stimme über das ganze Konzert führen zu können. Es wird aber auch emotionales Durchstehvermögen gefragt sein, denn in den Chorszenen müssen ganz unterschiedliche Ausdrucksmittel gestaltet werden. Natürlich hilft uns das Orchester dabei, diese Aufgabe zu erfüllen, doch stellt ein so großes Orchester auch wieder neue Anforderungen an die Sänger, insbesondere im dynamischen Bereich. Das alles ist für einen Laienchor eine große Herausforderung, aber der Leipziger Oratorienchor hat mein Vertrauen, dieser gewachsen zu sein.
Was die Gleichzeitigkeit der Probenphasen für Britten und Mendelssohn anbelangt, so ist das natürlich nicht ideal, mit Laien so grundverschiedene Werke gleichzeitig zu proben. Es ist aber einerseits eine Schule für die Sänger, schnell zwischen Musikstilen wechseln und dann mehr vom „Blatt“ als vom „Ohr“ her arbeiten zu können. Andererseits ist es für den Chor auch wichtig, von außen in Projekte geholt zu werden, „gefragt“ zu sein.

(Interview: Dr. Petra Listewnik)

Girls and female choir of the city of Leipzig

The Schola Cantorum Leipzig's girls and female choir has 80 singers between the ages of 12 and over 30. The choir belongs to Germany's best and is internationally renowned, not least of all due to the high level of musical quality demanded, its rigorous youth development programs, many concert tours abroad as well as a variety of awards won in acclaimed competitions. The choir is especially well versed in the presentation of renaissance period equal voices, a-cappella compositions as well as contemporary pieces. It also regularly works together with German orchestras on choral symphonic works. The choir's vast repertoire includes not only the German romantic works of composers such as Mendelssohn, Schumann, Brahms or Rheinberger, but the ensemble has also made important explorations into French music from the turn of the century. One important key component of the choir's work is the interpretation of contemporary music.

The girls and female choir has been a part of presentations of great oratory works such as Bach's "Passion of St. Mathew", Mendelssohn's "Paulus" and Orff's "Carmina Burana" and has given concerts in Leipzig's most important churches and concert halls. In 1999, the ensemble arranged the official ceremony for the Federal Republic of Germany's 50th birthday in Berlin's Reichstag and 2015 saw the choir sing for Chancellor Angela Merkel as part of the 80th German Welfare Day. The quality of the choirs is attested to by their successful participation in numerous national and international competitions as well as manifold radio, television and CD recordings.

Welcome to the choirs of the Schola Cantorum Leipzig!

The Schola Cantorum Leipzig was founded in 1963 as a youth choir and has been working with the sponsorship of the city of Leipzig since 1982. Today, the Schola Cantorum Leipzig provides musical guidance and training for around 300 children, youth and young adults; singing and making music at all levels from earliest training to the so called "spatzen choirs", children's, girls and female choir through to the chamber choir.

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