Aufgeschlagener Kalender Und Kaffee

Alles neu: Gedanken zwischen zwei Schuljahren

Lie­be Sän­ge­rin­nen und Sänger,
lie­be Choreltern,

es kann vor Beginn eines neu­en Schul­jah­res schon ein wenig frus­trie­rend sein, wenn die Kalen­der­sei­ten der Herbst­mo­na­te gäh­nend leer auf dem Schreib­tisch lie­gen. Man hät­te längst damit begin­nen kön­nen, die vie­len Sei­ten zu beschrei­ben und natür­lich längst fest­ste­hen­de Ter­mi­ne ein­zu­tra­gen – so viel fällt mir ein, was da noch orga­ni­siert, geplant oder bewäl­tigt wer­den möch­te. Ange­sichts der eben erst ver­gan­ge­nen Kon­zer­te kurz vor dem Som­mer und so vie­ler zu klä­ren­der Details für den Herbst kann man schon Mal den Mut ver­lie­ren, ein­fach anzu­fan­gen. Man schlägt die lee­ren Sei­ten zu, noch ehe man die ers­ten offe­nen Fra­gen beant­wor­tet hat und ist damit natür­lich kein Stück weiter.

Etwa 50 Kon­zer­te und Ver­an­stal­tun­gen zähl­te das ver­gan­ge­ne Schul­jahr für die Mit­glie­der und Mit­ar­bei­ter der Scho­la Can­torum Leip­zig. Da hat man zu Feri­en­be­ginn ganz schön was in den Kno­chen und braucht ein paar Tage, bis die wich­tigs­ten Ein­drü­cke halb­wegs geord­net sind, bis man die plötz­lich ein­tre­ten­de Ruhe nicht mehr als Belas­tung emp­fin­det und der schlimms­te Mus­kel­ka­ter in die Som­mer­fe­ri­en ver­ab­schie­det ist. Aber es ist auch in jedem Jahr eine Zäsur: Zeit um auf das zurück­zu­bli­cken, was wir in den ver­gan­ge­nen Mona­ten geschafft haben:

So pro­fes­sio­nell und rüh­rend spie­len die Kin­der und Spat­zen in Antoi­ne de Saint-Exu­pé­rys "klei­nem Prin­zen" im Thea­ter der Jun­gen Welt. Immer noch ist es kaum nach­voll­zieh­bar, wie sich die­se vie­len, klei­nen Puz­zle-Stei­ne in den letz­ten Tagen vor den Auf­füh­run­gen fast wie selbst­ver­ständ­lich zu ganz gro­ßem Kino zusam­men­ge­fügt haben. Was für ein Glück, dass der Kam­mer­chor die­se inten­si­ven und herz­li­chen Tage mit den fin­ni­schen Gäs­ten hier in Leip­zig und so einen pro­fes­sio­nel­len und den­noch nah­ba­ren Dani­el Reuss im Kon­zert in der Tho­mas­kir­che erle­ben darf. Erin­ne­run­gen, die man­cher sicher nie ver­gisst und die für's Leben prä­gen. Kaum zu glau­ben, dass das Chor­bü­ro die ver­gan­ge­nen Wochen nicht im Ansatz damit ver­bracht hat, über die vie­len gleich­zei­tig zu jon­glie­ren­den Pro­jek­te zu jam­mern, son­dern beherzt und vol­ler Elan los­ge­legt hat, selbst wenn das Tele­fon den gan­zen Tag nicht still ste­hen woll­te und der E‑Maileingang wie­der mal flot­ter lief als der ‑aus­gang. Was für ein Erleb­nis im durch ein Unwet­ter über Leip­zig in ein­drucks­vol­le Atmo­sphä­re getauch­ten Bil­der­mu­se­um, wenn Mäd­chen- und Frau­en­chor in Beglei­tung von Aya und den Hart­mann­schen Strei­chern Fre­quen­zen zu sin­gen im Stan­de sind, die einen glau­ben las­sen, man wäre Syn­äs­the­ti­ker, kön­ne Far­ben hören und Töne sehen. Schwer, hier alles auf­zu­zäh­len und für alles Dan­ke zu sagen. Viel­leicht wird’s nie wie­der so schön, singt Ger­hard Schöne.

Übri­gens: Kaum hat man die ers­ten Tage der Som­mer­fe­ri­en etwas aus­ge­ruht, scheint die Uhr zu ticken und man zählt die Tage rück­wärts bis alles fer­tig, bis alles Lie­gen­ge­blie­be­ne auf­ge­ar­bei­tet, alles Neue vor­be­rei­tet sein muss und der Tru­bel von vorn beginnt...

Ich glau­be, neue Kalen­der­sei­ten zu beschrei­ben, oder anders gesagt, mit Neu­em zu begin­nen, ist etwas, was vie­len von uns oft nicht unbe­dingt leicht fällt. Man­cher braucht dafür viel­leicht ein biss­chen Mut oder etwas Neu­gier. Ich brau­che Ver­trau­en in mich selbst und ande­re. Klar, die­ses neue Schul­jahr wird sei­ne Macken haben, es wird uns her­aus­for­dern und schon aus Prin­zip nicht so ver­lau­fen, wie man­cher sich das vor­her aus­malt. Aber es kann ein gutes wer­den, wie vie­le ande­re Jah­re vor ihm auch, wenn­gleich der oft bemüh­te "inne­re Schwei­ne­hund" hier und da mal über­wun­den wer­den muss.

Ich habe ihn inzwi­schen über­wun­den. Mit der Zeit haben sich Stück für Stück die lee­ren Kalen­der­sei­ten gefüllt. Mein vor mir lie­gen­der Herbst hat Cha­rak­ter bekom­men und ich selbst eine Ahnung davon, was uns da erwar­tet: Viel­leicht wird's sogar noch schö­ner? Ich habe mich auch damit ver­söhnt, dass der Som­mer schnell vor­bei sein wird und wie­der etwas Neu­es beginnt. Denn dar­in liegt die wun­der­ba­re Chan­ce auf neue, fan­tas­ti­sche Musik, erleb­nis­rei­che Kon­zer­te und Rei­sen sowie berei­chern­de zwi­schen­mensch­li­che Begegnungen!

In die­sem Sin­ne wün­sche ich allen Chor­mit­glie­dern, Eltern und Freun­den der Chö­re einen wun­der­ba­ren Start in ein span­nen­des und ereig­nis­rei­ches Schul‑, Ausbildungs‑, Stu­di­en- oder ein­fach Chorjahr,

Ihr und Euer
Mar­cus Friedrich

Titelfoto: Estée Janssens
Marcus Friedrich

Marcus Friedrich

Marcus Friedrich studierte Kirchenmusik sowie Chor- und Orchesterleitung bei Thomaskantor Georg Christoph Biller (Chorleitung), Helgeheide Schmidt (Klavier), Helmut Weese (Korrepetition) und Alexander Vitlin (Orchesterleitung) an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy".