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Aktuelle Infopost: “C(h)orona-Krisen-Logbuch”

Aktuelle Infopost: “C(h)orona-Krisen-Logbuch”

Liebe Sängerinnen und Sänger, liebe Eltern,
liebe Mitglieder unseres Fördervereins,
liebe Leserinnen und Leser,

die aktuelle Ausgabe unserer Infopost ist seit einigen Wochen überfällig und wir haben lange überlegt, was wohl ihr Inhalt sein könnte. Alles, was nachzubesprechen wäre, liegt (zumindest gefühlt) unendlich weit zurück und scheint für diese merkwürdigen Zeiten irgendwie nicht relevant genug. Und was zum heutigen Zeitpunkt voranzukündigen wäre, können wir kaum mit Sicherheit sagen. Dennoch: Die Aufführungen des Brahms-Requiems im November und Dezember 2019 waren ein Erlebnis und eine wunderbare Weihnachtssaison liegt hinter uns. Ohne Zweifel kündigte sich auch das Jahr 2020 als vielversprechend an. Bis es im März eben anders kam…

Als der “Shutdown” nicht mehr abzuwenden war, haben wir nicht lange gezögert, die ersten Konzepte erarbeitet und alle nötig erscheinenden Weichen gestellt, damit es in einer Situation, für die es keinerlei Blaupausen gab, trotzdem irgendwie weitergehen konnte. Die Herausforderungen schienen zunächst riesig, denn es galt ein großes Altersspektrum abzudecken und die analogen Unterrichtsangebote in den digitalen Raum zu übertragen, war für nicht wenige von uns ziemliches Neuland.

Wir sind uns sicher, jeder von Ihnen und Euch hat die zurückliegenden Wochen (mit allen ihren Herausforderungen, Belastungen und Entbehrungen) auf eigene, unvergessliche Weise erlebt. Wir haben uns entschlossen, (aus Mangel an anderen) mal die unsere festzuhalten. Und so ist ein kleines C(h)orona-Krisen-Logbuch entstanden, das die Tage und Wochen in einem Chorbüro beschreibt, dem die Chöre abhanden gekommen sind.

Aus den beiden vergangenen Monaten ein erstes Fazit zu ziehen, fällt schwer. Es wäre wohl auch übereilt. Also nutzen wir wenigstens die Gelegenheit und sagen all jenen Danke, die uns in den letzten Wochen so sehr unterstützt haben. Allen voran unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr Engagement und ihren Mut. Dem Amt für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig: Dass die Arbeit quasi nahtlos weitergehen konnte, ist für uns keine Selbstverständlichkeit. (Andernorts stellte sich vielleicht auch die Frage erst gar nicht?) Danke auch dem Team des Mendelssohn-Hauses und der Peterskirche! Ebenso allen Chormitgliedern und Eltern, die uns geschrieben und Mut gemacht haben. Und nicht zuletzt unserem Förderverein, der so manches Trostpflaster überhaupt erst möglich gemacht hat. (Auch wenn der Kontostand derzeit nur eine Richtung kennt…)

Die Arbeit fängt wohl jetzt erst richtig an. Bleiben wir zuversichtlich und gesund! In diesem Sinne grüßt herzlich Marcus Friedrich.


Woche #1 • 14. bis 20. März

Samstag. Seit gestern ist klar, die Schulen werden geschlossen. Wahrscheinlich ist erstmals seit fast sechzig Jahren der komplette Proben- und Konzertbetrieb ausgesetzt. Die nächsten drei Konzerte sind schweren Herzens abgesagt. (Ist das überhaupt schon mal vorgekommen?) Erkundigungen über Ticketstornos sind auch eingeholt. Die erste Allgemeinverfügung des Freistaates Sachsen wird diese Entscheidungen nur wenige Tage später bestätigen. Nur ein paar Einzelunterrichte sind derzeit (vielleicht?) noch zu verantworten. Wie lange noch, ist ungewiss, wie so vieles in diesen Tagen. Montag. Ein erstes Konzept ist zu Papier gebracht: Welche Unterrichte könnten auf digitale Kanäle umgestellt werden? Für welche müssten andere Formen gefunden werden? Inzwischen stellt sich auch die Frage, wie verhindert werden kann, dass es den Freiberuflern im Kollegenkreis die Existenzgrundlage entzieht. Bevor die Geschäfte schließen und Lieferketten gänzlich unterbrochen sind, wird aufgerüstet und die vorhandene, technische Ausstattung um Mikrofone für’s Smartphone, Stative, Speicherkarten, einen Camcorder und ein MP3-Aufnahmegerät ergänzt. Dienstag. Grünes Licht vom Amt für Jugend, Familie und Bildung: Honorarmittel dürfen für die digitale Aufbereitung von Unterrichtsinhalten genutzt werden. Fortan tauschen wir uns (trotz anfänglicher Skepsis) über Stimmbildung via Skype aus. Mittwoch. Lange nach Dienstschluss nehmen wir in der dunklen und menschenleeren Wandelhalle des Neuen Rathauses eine Bearbeitung von Händels “Ombra mai fu” (aus Xerxes) auf. Mit Abstand: Drei Musizierende, zwei Mitarbeiter für Bild und Ton. Bürgermeisterin Dorothee Dubrau (Dezernat Stadtentwicklung und Bau) kann die unverhofften, trostspendenden Klänge auf den weitläufigen Fluren kaum fassen und verweilt minutenlang. Nach Mitternacht werden auch Einzelunterrichte nicht mehr möglich sein. Freitag. Erstes, digitales Material wandert in ein Laufwerk bei “Just Social”, der erst im September eingerichteten, neuen Kommunikationsplattform der Chöre. Gleichzeitig verlässt eine Mail mit dem Betreff “Musikalische Früherziehung 2.0” das Chorbüro. Darin die ersten “Gehversuche” in Sachen Video, die erste schriftliche Musikstunde für die Zwei- bis Fünfjährigen, erstes Kreativmaterial sowie Kinder- und Volkslieder zum Singen zu Hause. Die Woche geht in merkwürdiger Stille und mit vielen offenen Fragen zu Ende.

Woche #2 • 21. bis 27. März

Sonntag. Die Tagesschau gibt via Twitter das Repertoire für die heutigen “Balkonkonzerte” bekannt: Beethovens “Ode an die Freude”. Leider hat es für lesbare Noten nicht gereicht. Wir erledigen das. Montag. Das Verlassen der häuslichen Unterkunft ohne triftigen Grund ist untersagt. Wir tasten uns nur sehr vorsichtig ins Chorbüro und interpretieren unsere Gründe als triftig genug. (Genau wissen wir es nicht.) Mehrere Bestellungen Händedesinfektion sind nach Wochen vergeblichen Wartens immer noch nicht eingetroffen. Wir begraben die Hoffnung und besorgen eine Flasche “Prima Sprit” vom Getränkemarkt in der Elsterstraße. Die ersten Veranstaltungsabsagen für den Frühsommer bröckeln herein. Wir behalten die Nerven. Was wir mit den geblockten Terminen machen, entscheiden wir nicht heute. Wir konzentrieren uns auf das Zusammentragen von Informationen für freischaffende Künstler und die Unterstützung der Schüler zu Hause. Unser Lieblingskurs “Die schönsten Wiegenlieder” scheint in trockenen Tüchern und kann online weiterlaufen. Mittwoch. Anscheinend werden Schüler zu Hause mit digitalem Lernstoff überhäuft. Wir starten eine Sammlung von Online-Tools und Tutorials zu Videokonferenzen, Audio-, Videoaufnahmen und was sonst noch für digitalen Unterricht nötig erscheint. Und wir nehmen Kinder- und Volkslieder auf. Derweil diskutieren Mitarbeiter Vor- und Nachteile von Skype. Man macht sich gegenseitig Mut. Doch die eher sparsame Kommunikation mit Eltern und Chormitgliedern verunsichert. Freitag. Die Woche geht zu Ende und es wandern Musikdateien, Rätsel und Spielideen in die Ordner bei “Just Social”. “Musikalische Früherziehung 2.1” heißt die letzte E-Mail. Sie beinhaltet unter anderem eine komplette Unterrichtsstunde in Schriftform, diesmal samt Ausmalbild, Begrüßungs- und Schlusslied.

Woche #3 • 28. März bis 3. April

Montag. Die Linksammlungen mit digitalen Tools, Apps, Unterrichtsideen, Erfahrungsberichten (…) wachsen und wachsen. Immer mehr wird klar, das ist ein Fass ohne Boden. Die Balance zu finden, fällt genauso schwer, wie vermeintlich Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Ein Ziel ist kaum zu erkennen. Dienstag. Die erste digitale Chorprobe für die Mitglieder der Spatzenchöre ist fertig: 250 Megabyte. Es folgen Videos in ähnlicher Größenordnung für die musikalische Früherziehung. Fortan sind wir mit Datenmengen konfrontiert, die sich bisher niemand vorstellen konnte und für die wir nicht ausgelegt sind. Wir bewegen uns täglich im Gigabyte-Bereich, was ermüdende Ladebalken zur Folge hat, denn das Land sitzt zu Hause und surft. So mancher Uploadversuch endet im Frust. Was wir inzwischen wissen: Videoübertragungen sind mit teils erheblichen Zeitverzögerungen verbunden. Wir beginnen Klavierbegleitungen in allen Tonarten für zu Hause aufzunehmen. Mittwoch. Inzwischen ist leider klar, in dieser Form und Menge haben die Linklisten keine Zukunft. Wir sortieren also um: Das Ergebnis sind wesentlich anschaulichere, digitale Pinnwände. Nicht gut, aber besser! Parallel dazu übt sich im Probensaal die Fachrichtung Korrepetition in Geduld: Der Versuch, eine konzentrationsfehlerfreie Aufnahme von Schuberts “Liebhaber in allen Gestalten” herzustellen, misslingt zum zwölften Mal. Nochmal von vorn! Donnerstag. Wir ändern die Strategie und erweitern den Fokus: Es ist wohl nötig, auch in die Öffentlichkeit zu kommunizieren und transparent zu machen, was wir derzeit tun. Zudem wird eines immer klarer: Sollten wir noch weitere Wochen im digitalen Modus verharren müssen, werden Chormitglieder und Eltern demnächst vor einer Flut aus Dateien kapitulieren. Die Honorarabrechnungen für März sind fällig. Ein Unterschied zum Vormonat ist nur auf den zweiten Blick zu erkennen und das ist unter diesen Umständen durchaus bemerkenswert: Die Herausforderung ist scheinbar angenommen. Freitag. Musikdateien, Brettspiele zum Ausdrucken und Anleitungen zum Fingerstempeln wandern in unsere digitalen Ordner. Für Kinder und Eltern ist erstmals auf unserer Webseite eine komplette Unterrichtsstunde musikalischer Früherziehung für Daheim abrufbar. Zudem steht ein weiterer Seitenentwurf, der alle derzeitigen, digitalen Aktivitäten abbilden soll. Heute beginnt eine bisher beispiellose Verteilaktion: Die von uns traditionell im Frühjahr für die Mitglieder des Kinderchores gesteckten Setzlinge (in diesem Jahr sind es kleine Kastanien) sprengen bereits ihre kleinen Pflanztöpfchen und müssen dringend an den Mann und an die Frau gebracht werden. Die Rundreise durch Leipzig wird bis weit in den Samstag dauern.

Woche #4 • 4. bis 10. April

Montag. Woche um Woche werden Informationen und Ressourcen hin- und hersortiert. Was heute noch wichtig erscheint, ist morgen von gestern. Das frisst Zeit. Begeisterte Kastanien-Rückmeldungen erreichen uns. Dass es offensichtlich allen gut geht, macht uns Mut. Langsam, aber sicher nimmt auch die Homepage Gestalt an. Wir haben die neue Seite liebevoll “C(h)orona” getauft. Ein bisschen Protest ist auch dabei. Weil wir den fiesen Virus nicht beim Namen nennen wollen, haben auch einige Bereiche von “Just Social” Fantasienamen erhalten: Der Titel “Alle Vögel fliegen hoch in die Luft” beginnt zudem mit dem Buchstaben A. Die Chatgruppen und Wiki-Seiten wandern so in der Reihenfolge nach oben, das erleichtert manchen Weg. Irgendwie richtet man sich inzwischen eben auch ein. Auf der Suche nach digitalen Möglichkeiten ist das Projekt “Musikgeschichte(n) aus der Quarantäne” entstanden. Zukünftig gibt’s wöchentlich online einen Epochenüberblick. Dienstag. Ostern wirft in diesem Jahr erwartungsgemäß seltsame Schatten voraus. Wir versuchen uns daher etwas Aufmunterndes einfallen zu lassen. Während wir überlegen, fällt ein großes Glas mit Wildblumenwiesensämereien auf. Damit machen wir seit einigen Jahren auf das Bienensterben aufmerksam. Seit der letzten Landtagswahl kann wohl obendrein etwas Farbe in Stadt und Land nicht schaden. Und so packen wir kurzerhand kleine Samentüten und unterschreiben Ostergrüße für über 300 Familien. Leider reichen unsere Papiertüten nicht und so falten wir kurzerhand etwa hundert Mal Origami-Ersatz. Und nachdem die Lidl-Filiale am Burgplatz um ihr Samen-Sortiment erleichtert ist, können auch die letzten Briefe auf Reisen gehen. Mittwoch. Wir haben einen Fotowettbewerb ausgeschrieben: Wer macht den schönsten Screenshot im digitalen Unterricht? Donnerstag. “Dem Osterhasen auf der Spur” heißt diese Woche die Musikstunde für die musikalische Früherziehung. Inzwischen läuft alles schon ein bisschen routinierter: Videos aufnehmen und nachbearbeiten, das Skript auf die Webseite übertragen, Videos und Soundfiles einbinden, den Bilder-Slider befüllen… Das Prozedere dauert allerdings um ein Vielfaches länger, als die Vorbereitung einer herkömmlichen Stunde unter “normalen” Umständen. Schließlich wandern Klavierbegleitungen, Singalongs, Üb-MP3s und österliche Bastelanleitungen in unsere “Just-Ordner”. Seit ein paar Tagen kann man sich täglich via YouTube einsingen (lassen). Karsamstag. Die Peterskirche ist für die Übertragung der Osternacht vorbereitet. Wir versuchen Mendelssohns “Sonntagsmorgen” mit allen Regeln des Abstands in Szene zu setzen, was mal mehr, mal weniger gut gelingt. Eines ist klar: Auf Musik völlig zu verzichten, ist in diesen Tagen keine Option. Samstagnachmittag und -abend werden zum Bearbeiten und Schneiden des Materials draufgehen. Ostersonntag. Upload Mendelssohn. Die Netzanbieter gönnen sich heute offensichtlich einen freien Tag… Frohe Ostern!

Woche #5 • 11. bis 17. April

Dienstag. Die Woche beginnt (wie üblich) mit dem Hin- und Hersortieren von Informationen und Links. Einige Mitarbeiter stellen inzwischen die These auf, dass sie nach Ende der Krise (wann immer das sein mag) wohl Digitalprofis sein werden. Vieles hat sich inzwischen irgendwie eingespielt. Dennoch würde wohl niemand die Situation als zufriedenstellend bezeichnen. Einige sehr rührende Rückmeldungen zum österlichen Blumengruß der Vorwoche tröpfeln herein. Nein, wir lassen uns nicht von der (prozentual alles andere als rosigen) Quote verunsichern. Sicher haben die Leute den Kopf voll mit wichtigeren Dingen. (Zur Wahrheit gehört sicher auch: Der Zeitgeist denkt mehr und mehr den Dienstleistungs- und Servicegedanken.) Trotz der Ferien haben wir uns für Ende der Woche digitale Ziele gesteckt. Eine erste Musiktheorie-Lektion ist digital aufbereitet und will nun gewebmastert sein. Musikalische Früherziehung und Nachwuchschöre sollen zudem mit einem selbst zusammengestellten und -gedruckten (also völlig analogen!) Kinder- und Volksliederbuch überrascht werden. Titel: Alle Vögel fliegen hoch in die Luft! Die erste Ladung ist versendet, weitere folgen. (An die fragenden Blicke der Hauspost-Belegschaft haben wir uns inzwischen auch gewöhnt.) Mittwoch. Neues Problem: Was wird aus den kommenden Konzerten? Nächste Woche steht “Große Musik für kleine Ohren” und ein “Evensong” auf dem Plan. Absagen? Nicht schon wieder! Donnerstag. Wir haben Fotos bei Leipziger Fotografen in Auftrag gegeben. Wenn Chormitglieder und Eltern nicht das Haus verlassen dürfen, muss eben (wie immer) umgedacht werden. Nicht zuletzt ist uns die Pflege unseres Partner-Netzwerks auch in dieser irren Zeit wichtig. (Wieviel wird davon in ein paar Monaten wohl noch übrig sein?) Heute sind wir erstmal beeindruckt von den entstandenen Fotos. Wir senden sie auf Reisen in die sozialen Netzwerke und denken: So haben wir Leipzig noch nie gesehen. Freitag. Per Allgemeinverfügung werden erste Lockerungen nach den Osterferien verkündet. Sie betreffen uns (wie zu erwarten war) nicht. Wir sind fast ein wenig erleichtert: Wir hatten uns gerade einigermaßen mit der Situation arrangiert. Der Betreff der allerletzten E-Mail lautet “Musikalische Früherziehung 2.4”.

Woche #6 • 18. bis 24. April

Montag. Wie wichtig Geglaubtes im digitalen Raum verhallen kann… Weiter geht’s. Wir verhandeln mit Jugendherbergen und Busunternehmen. Ob angezahlte Summen mit späteren Aufenthalten verrechnet werden können? Und wann wird das sein? Planung ins Blaue. Während im Probensaal Videos für die Musiktheorie entstehen, löst sich ein mit viel Kraft erstellter Konzertkalender in seine Bestandteile auf. Dienstag. Offensichtlich sind die ersten Liederbücher zu Hause angekommen, denn in einigen Chatgruppen ist von glänzenden Kinderaugen die Rede. Das genießen wir kurz, feiern uns selbst und den Moment. Es vergehen keine zehn Minuten, bis wir wieder ausloten, wie wohl die Verhältnismäßigkeiten besser zu bemessen wären. Eine Antwort auf diese Frage fällt uns seit Wochen schwer. Dienstag. Es hat etwas gedauert, aber die Arbeit hat sich gelohnt: Wir haben einen Podcast! Thema der ersten Folge: Atmung. Es ist eine ganz eigene Erfahrung, zwanzig Minuten lang mit sich selbst zu sprechen. Vor allem dann, wenn der Akku nur bis Minute 19 mitmacht. Na dann, alles wieder auf Anfang! Bereits letzte Woche haben Mitglieder der Instrumentalklassen einzelne Teile aus Prokofjews “Peter und der Wolf” aufgezeichnet. Dafür ist sowohl Benzin, als auch “Prima Sprit” verbraucht worden. Die noch fehlenden musikalischen Beiträge werden von Mitarbeitern auf Klavier, Geige, Gitarre oder Flöte übernommen. “Große Musik für kleine Ohren” wird also stattfinden! Mittwoch. Alle Sprechtexte sind aufgezeichnet und nachbearbeitet. Noch hat niemand ein Gefühl für das Ergebnis und dessen Halbwertzeit. In unseren Arbeitsordnern beginnt sich das zu bearbeitende Material zu stapeln. Über 40 Gigabyte alleine in den letzten paar Wochen… Donnerstag. Wir haben im (derzeit geschlossenen) Mendelssohn-Haus Asyl, einen Flügel und mit Händel auch musikalischen Ersatz für den ansonsten zum Ausfall verdammten “Evensong” gefunden. Händels (durch unseren Förderverein gesponserte) Musik rührt uns ein wenig. Bereits vor einigen Wochen war per E-Mail von Elternseite festgestellt worden: “Wie wichtig ist in diesen Zeiten die Musik?!” Freitag. Wir müssen unsere Daten besser organisieren, um nicht völlig im Chaos zu versinken. Händel ist fertig geschnitten und der Upload von immerhin fast zwei Gigabyte verläuft erstaunlich flüssig. Auch “Peter und sein Wolf” sind nach einer Sonder(nacht)schicht endlich erledigt. Sogar zum Korrekturlesen war noch Zeit. Samstag. Fast vier Gigabyte. “Peters Wolf” ist mehr als 20 Minuten lang, was uns einigermaßen beeindruckt. Man trifft sich also im Chorbüro. Manches muss heute noch aufgenommen, anderes geschnitten oder in Ordner verteilt werden. Wir warten auf die Video-Premieren bei Facebook und YouTube und erleben diese fast aufgeregter, als manchen “analogen” Konzertbeginn. Am Vortag ist der Hashtag #Trostpflasterkonzerte geboren worden. Hat was! Wir machen ihn zum Konzept. So haben wir künftig eine Alternative zur Veranstaltungsabsage. Am Abend lautet eine Frage in der MDR-Quizshow “Quicky” wie folgt: “Die Schola Cantorum Leipzig richtet sich in einem Kurs an werdende Mütter und Väter. In diesem lernen sie… A: Schaukellieder, B: Baumellieder, C: Wackellieder oder D: Wiegenlieder.”

Woche #7 • 25. April bis 1. Mai

Montag. Und täglich grüßt das Murmeltier. Wir bereiten alles für eine neue Unterrichtsstunde musikalische Früherziehung, eine neue Folge Musikgeschichte und die nächste Lektion Musiktheorie vor. Es stapeln sich die zu bearbeitenden Videos und Audios, wir sortieren Informationen und stellen die obligatorische Frage nach Verhältnismäßigkeit. Immerhin gibt es digitalen Applaus für “Wolfs Peter”. Viel Zeit zur Reflexion bleibt dennoch nicht, denn am Samstag sollen Carl Reineckes “Wilde Schwäne” digital stattfinden und ein Trostpflaster als Ersatz für den am Freitag ursprünglich im Rahmen des Deutschen Chorfestes geplanten “Mitteldeutschen Kinderchor” muss erst noch gefunden werden. Es genügt eine Sonderschicht in der Nacht zu Dienstag, um herausgefunden zu haben, was wir nicht wollen. Dienstag. Heureka! Wir entscheiden uns für John Rutters “Look at the World” aus dem Repertoire des Kinderchores. In kürzester Zeit ist ein Solistenquartett zusammentelefoniert. Ein Pianist ist für die Reinecke-Begleitungen ohnehin heute im Haus. Manches fügt sich eben auch. Die Ergebnisse des Screenshot-Wettbewerbs stehen fest. Unser Förderverein und der Leipziger Zoo haben mit Gutscheinen für glückliche Preisträger gesorgt. Sieger sind sie dennoch irgendwie alle! Die Bilder machen Mut. Und ein Lächeln. Mittwoch. Die verkürzten Wochen setzen uns zu und so beginnt ein Wettlauf mit Rutter und der Zeit. Donnerstag. Weil uns zwei Druckfehler in einer der Trostpflaster-Klavierbegleitungen stören, bessern wir kurzerhand mit der Aufnahme von halben Takten und Einzeltönen nach. Am Abend sind endlich alle Aufnahmen im Kasten. Wegen des Feiertags verlassen die gewohnten Status-Updates bereits heute das Büro. Für nächste Woche ist eingeschränkter Schulbetrieb angekündigt. Viele Fragezeichen. Wir sind von keinerlei “Lockerungsorgie” betroffen. Wir hätten schlicht auch keine Zeit dafür! Freitag, Maifeiertag. Upload und Video-Premiere Rutter. Weiter mit Reineckes “Beschneidung”, die bis in die frühen Morgenstunden dauert. Samstag. Die “Schwäne” sind fertig und flimmern nach telefonisch bestandenem Qualitätscheck über die einschlägigen Portale. Das optional für Samstagabend angedachte Soundfile des Kammerchores muss leider aus Kapazitäts- und Kraftgründen verschoben werden.

Woche #8 • 2. bis 8. Mai

Montag. Wieder bereiten wir Webseiten auf neue Inhalte vor, aber inzwischen stehen die Zeichen der Zeit auf Veränderung. Dem eingeschränkten Schulbetrieb werden weitere Maßnahmen folgen. Wir beschäftigen uns also mit einer Ära nach “C(h)orona”. Aber die derzeitige Faktenlage zur Aerosolbildung beim Singen ist entmutigend. Dienstag. Das Mendelssohn-Haus ist wieder geöffnet. Man gewährt uns dennoch Einlass, um ein “Trostpflaster” für die am Samstag nicht stattfindende Muttertags-Matinee unserer Spatzen zu produzieren. Am Nachmittag folgen der Musik die Gedichte und die Sache wird rund. Und wir sind wieder um Erkenntnisse reicher: Abstandsregeln sind umso schwerer einzuhalten, wenn die Raumgröße nicht parallel zur Anzahl der Mitwirkenden steigt. Die Chöre fehlen uns… Mittwoch: Aufnahmen schneiden, Webseiten befüllen und Korrektur lesen. Donnerstag. Muttertags-Upload. Die Nerven liegen trotz eines zwischenzeitlich erarbeiteten, zeitlichen Vorsprungs spürbar blank. Das Pensum der letzten Wochen geht nicht spurlos an uns vorbei. Wir beschließen in der nächsten Woche etwas kürzer zu treten und bereits fertige Inhalte etwas zu “strecken”. Die Frage nach Verhältnismäßigkeit…. Freitag. Wir haben uns professionelle Unterstützung für zukünftige Audioaufnahmen der Chöre organisiert. Das erleichtert die Planung bevorstehender Kinderopern und die längst überfällige Einbindung der Chormitglieder hinsichtlich zukünftiger Trostpflaster. (Bis zum Sommer sind es noch etwas über zwei Monate.) Kann man 6.000 Videoclicks eigentlich in Konzertbesucher umrechnen? Die inzwischen achte Folge des Ausnahmezustandes endet mit Status-Updates via “Just Social” und der Frage, wie die aktuelle Woche zu nummerieren ist. Ach ja, richtig: “Musikalische Früherziehung 2.7”

» Download der aktuellen Infopost (9 MB)
» Fotos: eric-kemnitz.com

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