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Marburgs Konzertbesucher Hüsteln Nicht

Marburgs Konzertbesucher hüsteln nicht

Der Leipziger Kammerchor hat in der Marburger Elisabethkirche ein Konzert gegeben. Nach einer Stunde gab es ein dickes Kompliment für die rund 250 Zuhörer: „Sie sind ein sehr geduldsames Publikum“, lobte Chorleiter Sven Kühnast.

Marburg. Ein Kritiker der heimischen Presse erwähne in jedem zweiten Satz das hüstelnde Publikum in Leipzig – „der müsste mal hierher kommen“. „Fast schon überirdisch, mitdenkend und mitfühlend“ seien die Marburger, so Kühnast.

Sein Kammerchor gab den Konzertbesuchern am frühen Abend des Pfingstsonntags aber auch allen Grund, zu schweigen und zu ­genießen. In seinem gut einstündigen Programm – das er tags zuvor auch schon in der ­Johanneskirche Gießen und am Montag noch einmal im Dom St. Marien in Erfurt präsentierte – war die Spannbreite von Chormusik aus dem 16. Jahrhundert bis in die 1980er-Jahre enthalten. Alles eher klassisch und getragen, aber in der Auswahl sehr bewusst.

Los ging es mit den Kompositionen „Christ is our cornerstone” und “Amen“ von David Thorne und John Rutter – quasi als Gruß hinüber nach England, wo am Tag zuvor die Hochzeit von Prinz Harry gefeiert worden war. Neben Englisch wurde auch auf Deutsch, auf Französisch und Latein gesungen. Beim zweiten Lied, „Adoramus te, Christe“ von Claudio Monteverdi, gab es bereits Szenenapplaus in der Elisabethkirche.

Vom Schüler bis zum Post-Post-Studenten

„Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy gehörte zum Konzertprogramm, ebenso wie „Selig sind die Toten“ von Heinrich Schütz oder „Dirait-on“ von Morten Lauridsen.

Die 22 Sängerinnen und Sänger aus Leipzig präsentierten sich stimmlich versiert – obwohl der Chor ein ganz junger ist, wie Leiter Sven Kühnast erläuterte: Die Mitglieder sind zwischen 16 und 30 Jahren alt, „vom Schüler über Studenten bis zum Post-Studenten oder auch Post-Post-Studenten“.

Die „Schola Cantorum Leipzig“, der der Kammerchor angehört, wurde 1963 als Kinder- und Jugendchor gegründet und ist heute eine städtische Musikschule mit insgesamt rund 300 Schülern und mehreren Chor-Ensembles. Wie ernst man es dort mit der Frühförderung nimmt, zeigt das Projekt, in dem schwangere Frauen in einem Kurs ihr ganz persönliches Wiegenlied für den Nachwuchs entdecken können, sagte Kühnast schmunzelnd.

Zwischen den drei Blöcken, die der Chor mit seinem Programm gestaltete, gab es auch noch Instrumentalmusik zu hören. Sonja Wiedemann an der Violine und Karl Eckel am Klavier und an der Orgel hatten ­unter anderem Händel, Bach und Mendelssohn-Bartholdy mit nach Marburg gebracht – ­alles stimmig, alles passend.

Am Vormittag hatte der Chor auch bereits im Gottesdienst in der Elisabethkirche mitgesungen. Und nach einem „Lullaby“ von Daniel Elder und dem großen Schlussapplaus gab es dann als Zugabe noch einmal das ­Anfangsstück. Mit Grüßen nach England.

von Nadja Schwarzwäller, Oberhessische Presse vom 24. Mai 2018

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