Goldfarbene Alufolio

Sächsische Erklärung der Vielen

Die Säch­si­sche Erklä­rung der Vie­len wur­de am Frei­tag, den 12. April 2019 ver­öf­fent­licht. Dar­in beken­nen sich Kul­tur- und Wis­sen­schafts­in­sti­tu­tio­nen aus Sach­sen zu gesell­schaft­li­cher Viel­falt, zu Welt­of­fen­heit und zu geleb­ter Demo­kra­tie. Sie soli­da­ri­sie­ren sich mit Men­schen, die durch eine aus­gren­zen­de Poli­tik und Ideo­lo­gie an den Rand der Gesell­schaft gedrängt wer­den. Die Scho­la Can­torum Leip­zig gehört zu den über 130 Insti­tu­tio­nen in Sach­sen, die sich als Unterzeichner*innen zur Erklä­rung der Vie­len bekennen.

Sächsische Erklärung der Vielen

Sach­sen war ein zen­tra­ler Schau­platz auf dem Weg zur Fried­li­chen Revo­lu­ti­on. Im Herbst 1989 gin­gen hier zahl­rei­che Bürger*innen aller Genera­tio­nen und Bevöl­ke­rungs­schich­ten auf die Stra­ße, um mit ihrem fried­li­chen Pro­test Demo­kra­tie, Frei­heit, Frei­zü­gig­keit und Mit­spra­che­rech­te ein­zu­for­dern. Ihr Mot­to lau­te­te: „Wir sind das Volk!“ Die säch­si­schen Bürger*innen haben damals bewie­sen, dass eine mit demo­kra­ti­schen Mit­teln geführ­te Debat­te und der Zusam­men­schluss demo­kra­tisch geson­ne­ner Kräf­te eine Ver­än­de­rung der Gesell­schaft her­bei­füh­ren können.

Heu­te wird das Mot­to der Fried­li­chen Revo­lu­ti­on von Rechtspopulist*innen miss­braucht, die die Wer­te Frei­heit, Tole­ranz und Soli­da­ri­tät für ihre Zwe­cke instru­men­ta­li­sie­ren. Der dabei vor­han­de­ne ver­ächt­li­che Umgang mit der Men­schen­wür­de, mit Anders­den­ken­den und mit enga­gier­ten Kul­tur­schaf­fen­den und Wissenschaftler*innen ist nicht zu akzeptieren.

Als Kul­tur­schaf­fen­de und Wissenschaftler*innen in Sach­sen ste­hen wir nicht über den Din­gen, son­dern in der Ver­ant­wor­tung gegen­über der deut­schen Geschich­te und unse­rer Erin­ne­rungs­kul­tur. Wir tre­ten ein für demo­kra­ti­sche Wer­te und die Grund­rech­te der Meinungs‑, Kunst- und Pres­se­frei­heit, der Reli­gi­ons­frei­heit sowie des Rechts auf Asyl und weh­ren jeg­li­che Angrif­fe auf die­se unver­zicht­ba­ren Wer­te­grund­la­gen unse­rer Gesell­schaft ent­schie­den ab.

Wir begrei­fen die Kul­tur, die Wis­sen­schaft und ihre Ein­rich­tun­gen, ihre urba­nen und länd­li­chen Orte als offe­ne Räu­me, die Vie­len gehö­ren. Unse­re Gesell­schaft ist eine plu­ra­le Ver­samm­lung. Wir ver­ste­hen Viel­falt und Welt­of­fen­heit als Vor­aus­set­zung wie als Ziel geleb­ter Demo­kra­tie in Sach­sen und ver­ur­tei­len völ­kisch-natio­na­lis­ti­sches Gedan­ken­gut und des­sen Ver­brei­tung; Dis­kri­mi­nie­rung sowie Gewalt jed­we­der Art.

Als unab­hän­gi­ge Akteur*innen im demo­kra­ti­schen und gesell­schafts­bil­den­den Dis­kurs set­zen wir uns ein für Frei­räu­me der Fan­ta­sie und des Den­kens und weh­ren uns gegen jeg­li­che Ver­ein­nah­mung. Wir füh­ren einen offe­nen und kri­ti­schen Dia­log über unde­mo­kra­ti­sche Stra­te­gien und Zie­le und gestal­ten die­sen Dia­log in unse­ren Ein­rich­tun­gen im Aus­tausch mit dem Publi­kum. Uns eint die Gewiss­heit, dass durch das Wie­der­erlan­gen der Dia­log­fä­hig­keit und des respekt­vol­len Umgangs mit­ein­an­der eine angst­freie und lebens­wer­te Gesell­schaft mög­lich ist.

Für uns ist die Frei­heit der Kunst und der Wis­sen­schaft ein wesent­li­cher Bestand­teil einer offe­nen, demo­kra­ti­schen und viel­fäl­ti­gen Gesell­schaft, der wir uns auf dem Boden des Grund­ge­set­zes und der Errun­gen­schaf­ten der Fried­li­chen Revo­lu­ti­on ver­pflich­tet füh­len. Unser Selbst­ver­ständ­nis ist es, für eine Gesell­schaft ein­zu­tre­ten, in der sich alle Men­schen unab­hän­gig von sozia­ler oder kul­tu­rel­ler Her­kunft, Geschlecht, Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung, geis­ti­gen oder kör­per­li­chen Fähig­kei­ten, Alter oder sexu­el­ler Ori­en­tie­rung mit Respekt und Tole­ranz begegnen.

Wir ver­bin­den uns soli­da­risch mit Men­schen, die durch eine aus­gren­zen­de Poli­tik und Ideo­lo­gie an den Rand der Gesell­schaft gedrängt werden.

Demo­kra­tie muss täg­lich neu ver­han­delt wer­den – aber immer unter einer Vor­aus­set­zung: Es geht um alle, um jede*n Einzelne*n!

» www.dievielen.de/erklaerungen/sachsen

Titelfoto: Emma
Marcus Friedrich

Marcus Friedrich

Marcus Friedrich studierte Kirchenmusik sowie Chor- und Orchesterleitung bei Thomaskantor Georg Christoph Biller (Chorleitung), Helgeheide Schmidt (Klavier), Helmut Weese (Korrepetition) und Alexander Vitlin (Orchesterleitung) an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy".